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Columbia Mission 37
Sternzeit 09.03./11.03.2018

A woman´s revenge

Persönliches Tagebuch

 

Keira Valeris, Crewman I Grade, Abteilung Wissenschaften und Medizin

 

Drei Wochen sind nach unseren Vorbereitungen für die danach erfolgte große Friedenskonferenz zwischen Romulanern und der Föderation vergangen. Drei Wochen seitdem Ltn. Javert und Crewman Funk in die Obhut von Senator Thin’Sat gestellt wurden. Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut…so gut wie es einem eben gehen kann, wenn man sich in den Klauen eines Rechtssystems befindet, bei denen der Angeklagte als schuldig bis zum Beweis des Gegenteils gilt. Ob die Stimme des Senators genügend Gewicht haben wird, um unsere Crewmitglieder gegen all jene zu verteidigen, die kein Problem damit hätten, sie zum Dank für unsere Einmischung und die Veröffentlichung der Fakten über die Internierungslager hinzurichten wird sich zeigen.
Ich hoffe nur, daß es Javert gelingt, Funk so weit im Gleichgewicht zu halten, der gerade ein Revival des schlimmsten Alptraums seines Lebens erleben dürfte. Ausgerechnet in den Händen seines ehemaligen Widersachers zu landen ist keine Erfahrung, die ich irgendjemandem wünsche.

 

Aber natürlich sind wir nicht willens, es auf einen Prozeß ankommen zu lassen.
Die Station Omega bietet alle Möglichkeiten zur Nachforschung.
Das vorliegende Beweismaterial wurde akribisch überprüft und die passenden Fragen gestellt, hauptsächlich von Kadettin Nabaar und Crewman Wynn. Keinesfalls handelt es sich bei den Bildaufnahmen des Diebstahls des romulanischen Schiffstypen um Fälschungen und keinesfalls kann es sich bei den abgebildeten Personen um unsere Javert und unseren Funk handeln. Die Hinweise sind vielfältig, angefangen bei Details zum Verhalten und dem Klang ihres Lachens bis hin zu so auffälligen Dingen wie die Tatsache, daß Ltnt. Javert zum Zeitpunkt des Überfalls noch ein eindeutig kybernetisches Auge trug und die Javert im Bild über zwei intakte betazoidische Augen verfügt. Möglichkeiten wie das sein kann wurden aufgestellt und wieder verworfen. Es gibt einige Rassen, die zum Gestaltwandel fähig sind aber die haben kein Motiv.

 

Mittlerweile kristallisiert sich eine Vermutung, so hanebüchen sie für Nichteingeweihte auf den ersten Blick auch aussehen mag als die wahrscheinlichste Version der Ereignisse heraus. Etliche von uns haben bereits unfreiwillig das parallele Universum des Terranischen Imperiums und der Allianz bereist und dort mit einer egomanischen, kaltherzigen und tyrannischen Version von Javert Bekanntschaft gemacht.
Die Arbeitstheorie lautet folgendermaßen: Diese Javert hat es geschafft, mit einigen ausgewählten Vertrauten in unser Universum zu kommen, die romulanische Station zu finden und dort das brandneue Kampfschiff zu klauen, um damit in ihr Universum zurückzukehren.
Ja, ich weiß. Ich würde mir auch kein Wort davon glauben.
Jetzt wird es an uns liegen, diese Theorie in irgendeiner Form so zu beweisen, daß auch der hartnäckigste romulanische Rechtsverdreher sie akzeptieren muß.

 

Keine Ahnung, wie wir das schaffen sollen. Abgesehen davon, daß ich ratlos bin und mir Sorgen um unsere Crewmitglieder mache geht es mir relativ gut. Seit dem Unfalltod des Romulaners durch meine Schuld ist Zeit vergangen. Viele schweißtreibende Trainingseinheiten mit Wynter und O’Connor, Meditationsübungen mit Lucille, Gespräche mit der Counselor und der Karrierestopp, den ich mir selbst verordnet habe haben mir ziemlich gutgetan. Jetzt, da die Gedanken um Versagen, Pflichtgefühl, Zweifel an zu vielen Dingen, um das, was von anderen erwartet wird und was ich mir selbst auflaste endlich zum Stillstand gekommen sind und ich mir um nichts mehr Gedanken machen mußte, außer darüber, meine Arbeit zu erledigen bin ich endlich zum Durchatmen gekommen. Ich habe in den vergangenen Wochen gemerkt, unter was für einem verdammten Druck ich stand. Der Erfolg der Friedensverhandlungen, auch als Ergebnis unserer Mühen hat mir Auftrieb gegeben und mittlerweile kann ich wieder ruhig schlafen. Ich habe einen Fehler gemacht, teuer dafür bezahlt aber jetzt wird es Zeit, das Vergangene hinter mir zu lassen. Auch warte ich nicht mehr wie ein Schießhund auf Abruf auf eine Nachricht von Damien. Hätte er sich melden können und es gewollt, hätte er mittlerweile vermutlich eine Möglichkeit gefunden. Und selbst wenn irgendwann noch einmal ein Lebenszeichen von ihm erfolgen sollte werde ich dann damit umgehen, wenn es soweit ist. Ich kann sowieso nichts tun. Er hat sich aus eigener Kraft aus den romulanischen Internierungslagern befreit und es steht zu vermuten, daß er genau weiß, was er zu tun hat. Inwiefern mich das noch betreffen kann wird sich zeigen – oder auch nicht. Es tut nicht mehr sehr weh, sticht nur gelegentlich ein wenig.

 

Zurück an die Arbeit. Die Möglichkeiten in dieses parallele Universum zu gelangen sind dank der Vorarbeit unserer Vorgänger in der Sternenflotte und diverser „Unfälle“ hinreichend bekannt. Sei es über eine Warpfeldadaptierung beim Durchqueren eines Wurmloches, sei es dank eines ähnlichen Prozesses beim Beamen – ich verzichte darauf, mich genauer damit zu beschäftigen. Quantenphysik ist nicht mein Ding. Außerdem können diese technischen Details nachgelesen werden, so daß ich mich nicht halbherzig an Erklärungsversuchen beteiligen muß. Jedenfalls sind sich Crewmann Wynn und Chief Kassabyan sicher, daß sie uns zurückbringen können, sollten wir einen Ausflug auf die andere Seite wagen.

 

Ein interessantes Detail: Laut Crewman Wynn ist das Datenpaket mit der Bildaufzeichnung zu groß – irgendwo darin muß eine weitere Nachricht versteckt sein – als ob jemand nachträglich dem Datenpaket eine Ladung aufgeflantscht hätte, ohne daß es bemerkt werden sollte. Jetzt da die Kommunikationsspezialisten wissen, wonach sie suchen sollen finden sie recht schnell die Botschaft, verschlüssekt mit einem veralteten Föderationscode. Eine Aufzeichnung eines – vorsichtig ausgedrückt – angepißt wirkenden Gallaghers erscheint und läßt eine Tirade vom Stapel. Unser Gallagher wiederum macht beim Anblick seines Alter Ego auch keinen glücklichen Eindruck.
Sinn der überbrachten Botschaft: Die Tatsache, daß das Schiff geklaut wurde bringt auf seiner Seite das Kräftegleichgewicht in eine gefährlich instabile Lage zu Gunsten Imperatorin Javerts. Er betrachtet uns als Schuld daran. Wir bekommen von ihm Koordinaten, zu denen wir uns gefälligst einzufinden haben – wir müssen über zwei Universumsgrenzen miteinander reden. Ende der Durchsage.

 

Der Herr wirkt leicht unentspannt. Unser Gallagher auch. Abgesehen davon, daß die Anschuldigung absurd ist läßt sich nicht leugnen, daß es für uns nur von Interesse sein kann, das Schiff zurückzuholen, um es den Romulanern unter die Nase zu halten.
Moment - Imperatorin Javert?
Als unsere Crew das letzte Mal mit ihr zu tun hatte war sie eine aufstrebende, machthungrige Einzelgängerin, die ein Häuflein von Getreuen um sich geschart hatte und mit ihnen die Allianz zerschlagen wollte, um dem Imperium zu neuer Größe verhelfen. Dabei hatte sie sich so beliebt gemacht, daß es noch in ihrer Truppe zur Meuterei kam – die allerdings niedergeschlagen wurde. Offenbar hat sie ihr ehrgeiziges Ziel dennoch verwirklicht. Nicht gut. Diese Javert war eine vollkommen skrupellose, sadistische und egomanische Person.
Niemand, mit dem man sich gerne anlegt und nichts, mit dem wir jemals wieder etwas zu tun haben wollten. Anderes Universum, andere Baustelle…

 

Zugegebenermaßen ist es nicht so, als ob wir andere Möglichkeiten zuhauf hätten und der andere Gallagher hat einen fetten Wurm als Köder an den Haken gehängt.
Also fliegen wir zu den angegebenen Koordinaten wo es uns gelingt, eine Kommunikation mit „Commodore“ Gallagher aufzubauen. Seine Geduldsspanne ist nicht ausgeprägt und seine Botschaft ist klar: Er gibt uns die Schuld, daß bei ihnen alles schiefläuft, wir sollen gefälligst herüberkommen und das verfluchte Schiff zurückholen. Imperatorin Javert, dieses psychopathische Miststück (seine Worte, nicht meine), hat so gut wie alle Allianzstützpunkte vernichtet und ist auf dem besten Wege, ihre Allmachtsträume zu verwirklichen. Wenn sie bei ihnen fertig ist wirft sie womöglich ein Auge auf unser Universum, wo das doch so praktisch um die Ecke liegt. Er hat einen Plan, wir sollen ihm helfen. Er hat eine Möglichkeit uns in Javerts Crew auf ihrem Flaggschiff Gettysburgh einzuschleusen, wir sollen gefälligst rüberkommen.

 

Zugegebenermaßen irritiert es mich ein wenig, daß der amtierende XO zustimmt, ohne auf meine eindringlichen Versuche einzugehen, ihn darum zu bitten, weitere Informationen zu erfragen. Auch hinterfragt er Gallaghers Motive in keinster Weise. Dieser Commodore kann uns ja schließlich sonst was erzählen. Ganz zu schweigen davon, daß der XO den unverschämten Vorwurf unserer Schuldigkeit nicht zurückweist. Und dann ist plötzlich keine Zeit mehr, denn auf Gallaghers Seite taucht ein imperiales Suchschiff auf und er muß zusehen, daß er wegkommt. Wir bekommen noch ein paar Koordinaten von ihm, damit wir die Beamvariante nutzen können, um in sein Universum zu gelangen und schon ist er fort.
Merde.
Und wer sagt uns, daß wir nicht in eine riesengroße Falle tappen?

 

Wie zu erwarten weist Wynter auf das unkalkulierbare Risiko hin, das dieser Auftrag birgt, gleichzeitig habe ich das sichere Gefühl, daß er das nur tut, weil es nun mal seine Pflicht ist.
Wir haben nicht viel Zeit – die Missionsbefehle werden ausgegeben: Romulanisches Schiff ‚Valdore‘ finden, zurückbringen nach Möglichkeit oder zerstören, weitere Beweise zur Entlastung von Ltnt. Javert und Crewman Funk erbringen.

 

Bin ich wirklich die einzige, die spontan einen Knoten im Magen bekommt?

 

Wir legen die Uniformen ab, packen ein, was wir für unsere jeweilige Arbeit brauchen werden und legen Kleidung an, die äh…in etwa dem entspricht, was uns aus dem Paralleluniversum bekannt ist. Schwarz ist das neue Föderationsgrau. Martialisch, unbequemer Metallkragen über den Schultern und…verflucht eng – dieses Korsett! Wie atmen die da drüben? Transdermal?

 

Und kaum daß ich mich einigermaßen sortiert habe geht es los. Der Beamvorgang dauert etwas länger als üblich und zieht mir gefühlt die Socken aus. Und dann sind wir drüben – in der Zentrale einer Station. Alles sieht ähnlich aus und ist doch ganz anders. Die Atmosphäre ist drückend, das Licht rötlich und düster. Spontane Beklemmung. Wir sind sehr weit weg von zu Hause.
Dieser Commodore Gallagher ist einigermaßen höflich, aber mit einem ständigen Unterton unterdrückten Ärgers. Als könne er jeden Moment explodieren. Er unterbreitet uns folgenden Plan – wenn man das denn einen Plan nennen kann…Es ist ihm und einem treuen Mitarbeiter, nämlich Commander Funk – genau der, der mit Javert gemeinsam das Schiff geklaut hat, offenbar ein Verräter in ihrem engsten Kreis – gelungen, einen Stapel von Javerts Mitarbeiterstab auf eine Mission mitzunehmen. Die Mission lautete, die verbleibenden Allianzstützpunkte ausfindig zu machen. Diese Mitarbeiter sind unsere leibhaftigen Gegenstücke in diesem Universum oder sehen uns zumindest hinreichend ähnlich, daß man unsere Vertreter von Bajor, Vulkan etc. chirurgisch angleichen kann. Sie liegen momentan allesamt auf Eis – einschließlich Javerts Liebling, Chief Benz, und warten auf ihre ‚Entsorgung‘. Wir sollen ihre Plätze einnehmen. Commander Funk kehrt mit uns zurück auf die Station Manticore, wo Javert zur Zeit residiert und wir nehmen unsere Plätze innerhalb ihrer Crew ein. Wir bekommen von ihm Briefings zu unseren Verhaltensweisen und persönlichen Details, so weit Funk darüber Bescheid weiß. Wir erhalten von ihm unsere subdermalen Identifikationschips und alles weitere…ist dann wohl unser Problem. Hauptsache wir nehmen Javert dieses Schiff weg.

 

…vermutlich, damit er Imperator werden kann anstelle der Imperatorin. Allerdings muß man zugeben, daß die Allianz aus dem letzten Loch pfeift.

 

Et merde encore!
Das Imperium ist kein menschenfreundliches Regime, Imperatorin Javert kennt keine Geduld und ist schnell dabei, Verrat zu wittern und in ihren Agoniekammern zu bestrafen. Ihr zur Hand stehen effiziente Vertraute, Politoffiziere und Sicherheitsspezialisten. Das Protokoll ist streng, die Verhaltensweisen und Ansichten gegenüber Alienrassen laufen allem zuwider woran wir glauben und wer sich einen Fehltritt leistet ist schnell tot. Und der Fehler eines einzelnen kann uns schnell alle auffliegen lassen. Es ist üblich, sich in der Karriereleiter hochzumorden, wenn man seinen Vorgesetzten als unfähig erachtet. Ist man erfolgreich hat man damit bewiesen, daß der Vorgesetzte unfähig war und übernimmt seinen Posten.
Und in dieser Umgebung sollen wir uns unauffällig verhalten, uns einfügen, mitarbeiten, dafür sorgen, daß wir Informationen über die Valdore sammeln, ihren Standpunkt ermitteln, an Bord kommen und das Schiff kapern und nach Möglichkeit heil nach Hause kommen. Puh. Das ist kein einfacher Knoten in meinem Magen mehr, das ist ein ausgewachsener gordischer Knoten.

 

Die Vertreter der Allianz, mit denen wir es zu tun bekommen sind höflich, zuvorkommen und scheinbar echt bemüht, uns in allem zu helfen und uns mit hilfreichen Informationen zu versehen. Commander Funk persönlich tritt auf den Plan und verpaßt uns ein Briefing, daß uns die Köpfe qualmen. So viele Namen und Ränge, die wir fehlerfrei memorieren müssen – so viele zwischenmenschliche Beziehungen, die es zu berücksichtigen gilt, Liebeleien, Eifersucht, Konkurrenzgehabe, protokollarische Eigenheiten, korrektes Benehmen der Imperatorin gegenüber…und dazu das merkwürdige Gefühl, einen Robert Funk in vollem Kampfanzug vor uns zu haben, der uns freundlich erklärt, daß er uns persönlich umbringt, wenn wir einen Fehler machen, bevor alles auffliegt.

 

Dazu das Problem, daß vor allem Stuvek, Wynn, Alenis und Nabaar erstens menschlich wirken müssen und obendrein andere Namen bekommen. Man reiche mir ein Mittel gegen Kopfschmerzen. Ein paar Stunden Ruhe werden uns gegönnt – und dann wird es ernst. Wir bekommen Narben, Tätowierungen und die passenden Outfits und Rangabzeichen verpaßt.
Die Lieutenant Valeris auf dieser Seite hat die Leitung der Wissenschaftsabteilung und ist ebenfalls Xenobiologin. Sie ist eine begeisterte Wissenschaftlerin – ihr Schwerpunkt ist ein Projekt, das darauf abzielt, die Schwächen in der DNA von nichtmenschlichen Rassen zu finden und gemeinsam mit Lieutenant Vargas (PO Alenis) von der Medizin, Herrin über die Agoniekammern und Kampfstoffspezialistin, neue Methoden der Kriegsführung und Einsatzmöglichkeiten von Kampfstoffen zu finden, die genau auf die Schwächen der Aliens abzielen…nebenbei macht sie nur zu gerne die passenden Experimente an Aliens. Ich bekomme spontanen Brechreiz, weil ich mich an einen gewissen Dr. Mengele aus den dunkelsten Zeiten der Erdgeschichte erinnert fühle.
Den anderen ergeht es kaum besser…Stellenweise sind die Positionen auf geradezu absurde Weise vertauscht. PO Alenis muß die Chefärztin geben, während Dr. Sanders den desillusionierten und drogensüchtigen Assistenten mimen muß. Wynter macht zugegebenermaßen in Rüstung mit Skorpiontätowierung eine außerordentlich gute Figur, allerdings muß sein Charakter auch entsprechend bösartig sein.
Es gibt den Klüngel aus Ehrgeizlingen und den Klüngel aus faulen Drückebergern. Lieutenant Linnert muß den Widerling vor dem Herrn geben, den begnadeten Piloten, den keiner leiden kann und der regelmäßig wegen Respektlosigkeit zu Aufenthalten in der Agoniekammer verurteilt wird.
Wir werden versprengt auf dem Schiff arbeiten und unsere Abstimmung wird schwierig sein. Ein Verschlüsselungscode auf den Pads soll helfen, harmlos aussehende Nachrichten mit brisantem Inhalt zu verschicken. Einige von uns werden sich freier bewegen können, andere werden in ihre Abteilungen fest eingebunden sein.

 

Ich habe noch Glück – Medizin und Wissenschaft arbeiten eng zusammen und es scheint derzeit nur einen weiteren Mitarbeiter zu geben, der uns lästig werden könnte, ein gewisser PO Clifford, der mit dem anderen Wissenschaftler Lieutenant Canterville eng zusammenarbeitet. Canterville allerdings ist derzeit anderweitig unterwegs. Da McTavish auf die OPS muß bleibt mir van Ameling, der mein introvertierter, unsicherer und spaßbefreiter Assistent ist – nee, ist klar.
Ich fürchte, wir werden uns möglichst bald damit beschäftigen müssen, wie wir uns Clifford vom Hals schaffen. Ich komme mit van Ameling überein, daß wir mit einem Zerwürfnis zurückkehren, das ihn dazu bringen könnte, sich Clifford zu nähern – um von jenem vielleicht ins Vertrauen gezogen zu werden, wenn der plant, an meinem Stuhl zu sägen.

 

Als ich fertig bin und in den Spiegel schaue habe ich das ungute Gefühl zu etwas geworden zu sein, vor dem mich meine Eltern gewarnt hätten…Streng zurückgegeltes Haar, eine markante Narbe vom Auge bis zum Kinn und der imperiale Offizierskragen.
Die arme Kadettin Nabaar muß als Lieutenant Visconti als Schoßhündchen der Politoffizierin Strakovich in deren Auftrag Männer um den Verstand bringen und gegeneinander ausspielen – was Reynolds und McTavish als ihre derzeitigen Opfer ausbaden müssen.
PO Wynter hat eine Pilotin namens Barnes an der Backe, mit der ihn ein irgendwie geartetes Schicksal verbindet, weil der als eiskalt und bösartig bekannte Wynter auf diese Pilotin achtgibt, daß ihr niemand dumm kommt. Kassabyan ist auch hier Chef der Technik und trägt schwer an einer offenen und ungepflegten Haarpracht, die daran Schuld ist, daß er sich beim ersten Kontakt mit einer defekten Plasmaleitung fast selbst in Brand steckt. Ich habe ihn selten so fluchen hören.

 

PO Cane macht einen geknickten Eindruck. Sein Posten wird auf der OPS sein und er fürchtet, im Zuge seiner Pflichten dort schnell in die Verlegenheit zu kommen, Befehle auszuführen, die er nicht guten Gewissens ausführen kann. Was, wenn die Imperatorin ihm einen Feuerbefehl auf eine Station oder ein Schiff erteilt? Nicht zu gehorchen ist keine Option. Letztendlich bewegt ihn das, was jedem anderen Sorgen machen dürfte. Er gesteht mir, daß er sich an XO Reynolds gewendet hat, weil er wissen wollte, was von ihm in einem solchen Fall erwartet wird? Dem Befehl nachkommen, auch wenn das gegen die Direktiven geht? Den Befehl verweigern und dafür sterben? Aber die Mission gefährden? Wie weit dürfen wir gehen? Die Frage ist berechtigt.
Leider scheint der XO sein Problem falsch verstanden zu haben – oder Cane hat sich unglücklich ausgedrückt – jedenfalls versteht Reynolds das wohl als den Wunsch nach einem Freifahrtscheint, konsequenzenlos jedes Verbrechen begehen zu dürfen und erteilt Cane folgerichtig eine klare Abfuhr. Keinesfalls wird er als XO solche Verbrechen decken oder gutheißen und wer gegen die Richtlinien der Sternenflotte verstößt wird sich nach der Rückkehr vor einem Kriegsgericht verantworten müssen.
Cane ist ratlos, und ich gestehe, nach seiner Erzählung bin ich es ebenfalls.
Ich hoffe auf ein Mißverständnis, denn unter diesen Umständen wird es unmöglich sein, den Auftrag auszuführen.
Ohne den Rückhalt und das Vertrauen unseres Ersten Offiziers sind wir aufgeschmissen.
Cane vertraut sich noch anderen Kollegen an und bei der nach der Ruhepause erfolgenden Mannschaftsansprache muß auch Lieutenant Reynolds verstanden haben worum es ging, denn er spricht uns dann doch sein Vertrauen aus. Wir werden in schwierige Situationen kommen und er ist sich absolut sicher, daß jeder von uns in dem Bewußtsein, woher er kommt seine Entscheidungen treffen wird. In dieser Situation findet er die richtigen Worte und sie waren bitter nötig.
Wir sind von der Sternenflotte. Wir werden nicht versagen und wir werden immer bedenken wofür wir einstehen. Gerade in einer Situation wie dieser. Mir wird etwas leichter ums Herz. Jetzt können wir arbeiten.

 

Dann ist es so weit.

 

Mit Commander Funk betreten wir ein Schiff und fliegen zur Station Manticore, um der Imperatorin unsere Ergebenheit zu beweisen und ihr die Ergebnisse unserer Mission zu präsentieren.
Was dann folgt fühlt sich wie ein surrealer Alptraum an. Im Nachhinein neigt man dazu, die bedrückende Atmosphäre auf imperialen Schiffen und Stationen zu unterschätzen.
Es herrscht ein ständiges Klima der Angst und Unterdrückung. Jeder schaut nervös über die eigene Schulter, die Wände selbst wirken bedrückend, ebenso das rötliche Licht. Angst beherrscht hier jeden. Alle versuchen stark zu erscheinen, niemand gibt Schwäche zu aber die Angst ist wie ein Gift, das aus jeder Struktur, jeder Pore zu sickern scheint und unaufhaltsam in die Venen kriecht und den Geist zu lähmen droht.

Es ist als säße man wie eine Fliege in einem klebrigen Spinnennetz und Imperatorin Javert ist die tödliche schwarze Witwe im Zentrum. Jede Bewegung kann das Netz zum Erzittern bringen und die tödliche Aufmerksamkeit der Spinne auf die kleine Fliege lenken…zu dramatisch ausgedrückt? Ist mir egal, genau so fühlt es sich an, als wir schließlich in ihrem Thronsaal vor ihr knien, ihr unseren Gruß entbieten und die Parole „Lang lebe das Imperium!“ brüllen…

 

Die Imperatorin ist zufrieden mit Funk und seiner Leistung. Wir bekommen ein huldvolles Tätscheln und die Anweisung, zurück an unsere Arbeit zu gehen, denn noch am heutigen Tag erwartet sie, die Allianz mit der Valdore in die Knie zu zwingen.
Ich weiß nicht, ob ich mich über die gute Nachricht freuen soll – es scheint als würden wir keine Sekunde länger hierbleiben müssen als unbedingt nötig – oder mich über die schlechte Nachricht ärgern soll – wir stehen massiv unter Zeitdruck und haben keinen wirklichen Plan.

 

Als wir auf unsere Abteilungen kommen lautet meine erste Anweisung an meinen Mitarbeiterstab, mich über die Fortschritte der letzten zwei Tage meiner Abwesenheit zu informieren. Ich nutze die Zeit, um mir einen flüchtigen Überblick über das zu verschaffen, was ich hier zum Teufel eigentlich treibe. Es ist genauso schlimm wie erwartet. Und Clifford ist ein schmieriger kleiner Herumtreiber, der seine Nase in alles steckt, was ihn nichts angeht und uns ständig in den Ohren liegt, ihn mit weiterem Probenmaterial zu versorgen, weil er doch seine Eugenetikexperimente weitertreiben will.
Sein Projekt: Der Übermensch. Der Mensch, der durch Verbesserungen mit Alien DNA besser, stärker, fähiger wird. Javerts Traumvorstellung von einem Homo sapiens superior.

 

Wie dem auch sei: Ich komme in das fragwürdige Privileg der geballten Aufmerksamkeit der Imperatorin und ihrer Politoffizierin, einer Dame, die gerne mit der Peitsche spielt. Die Imperatorin hat einen klaren Auftrag an mich: Sie will einen Kampfstoff, der geeignet ist, den Insassen der Allianzstation einen qualvollen und schmerzhaften Tod zu bereiten. Vornehmlich soll er tödlich für Klingonen und Cardassianer sein, die Bajoraner erachtet sie nicht als fähig genug, ernsthafte Gegenwehr zu leisten und natürlich sollen Menschen immun sein. Husch, an die Arbeit. Und mit etwas mehr Begeisterung, wenn ich bitten darf.
Scheint als müßte ich aufpassen. Mein alter ego ist fanatisch und treu ergeben, ich darf es nicht an zur Schau gestellter Begeisterung fehlen lassen. Was ich gerade dringend bräuchte wäre ein Kotzkübel.

 

Das ist ein Alptraum. Gemeinsam mit Alenis und Sanders besprechen wir die Lage und versuchen, eine Lösung zu finden, die unseren Vorstellungen und Richtlinien nicht zuwiderläuft. Einen tatsächlich tödlichen Kampfstoff zu entwickeln kommt noch nicht einmal zur Sprache. Wir haben das Glück, ein paar ausgewiesene Spezialisten zu haben. Meine Spezialgebiete sind Xenobiologie und Toxikologie, Alenis brilliert in Genetik und Toxikologie und Dr. Sanders ebenfalls in Xenobiologie. Wir kommen nach einigem Hin und Her überein, den Chefstrategen der Imperatorin, Lieutenant De Kowa zu Rate zu ziehen.
Vielleicht wünscht die Imperatorin ja, daß die Agonie qualvoll und lang ist, so daß sie zu Beginn zuschauen kann und sich dann entfernen kann, in der sicheren Gewißheit, daß ihre Gegner noch zwei Tage lang qualvoll unter Krämpfen und Schmerzen dahinsiechen werden um dann ihr Leben auszuhauchen in dem Wissen, Dreck unter den Stiefeln der Imperatorin zu sein, den sie noch nicht einmal ihrer direkten Aufmerksamkeit für würdig erachtet? Vielleicht können wir so das Leben der Allianz erhalten, wenn nur die Illusion stimmt…
Nein, die Imperatorin schätzt schnelle Effizienz und hat vor die Station mit der Feuerkraft der Valdore auszuradieren.

 

Damit wissen wir wenigstens, daß die Valdore bald hier sein wird. Jeder von uns muß versuchen, auf dieses Schiff zu kommen. Die verschlüsselten Nachrichten fliegen hin und her. Informationen, Anfragen, Bitten um Bestätigung…ich habe keine Sekunde das Gefühl, alleine zu sein. Und wir müssen den Befehl erfüllen, die Imperatorin erwartet Ergebnisse. Den kleinen Schnüffler schließen wir aus, er hat bestimmt wichtigere Arbeit zu erledigen.

 

Zugegebenermaßen ist die Entwicklung eines Toxins, das bei Klingonen und Cardassianern dank eines gemeinsamen Enzyms für ein paar Krämpfe und relativ schnelle Ohnmacht sorgt, die tief genug ist, um in den ersten Stunden den Sensoren einen Scheintod vorzutäuschen für uns eine relativ leichte Fingerübung.
Ein paar modifizierte Trägerstoffe, transdermale Übertragung in Aerosolform, das Ganze liebevoll verpackt in ein paar Torpedos, die in die Zielobjekte geschossen werden, wo sie nahe an Luftverteilungszentren platziert werden sollen, so daß der Inhalt sich rasch über die Lebenserhaltung verteilt und fertig ist der vorgeblich tödliche Kampfstoff.
Der einzige Gewissensbiß der noch bleibt ist die Sorge, daß die Torpedos tatsächlich eingesetzt werden und die Imperatorin dann mit Entertruppen die Station betritt oder sie womöglich in die Luft jagt. Dann gäbe es wirklich Tote und das wäre mit unsere Schuld. Allerdings wissen wir beim besten Willen nicht, wie wir den Befehl umgehen sollen, ohne als Versager oder Saboteure dazustehen. Dieses Wissen hält uns davon ab, allzu selbstzufrieden zu werden.

 

Mittlerweile trägt mir van Ameling zu, daß PO Clifford ihm gesteckt hat, ich solle mich in dunklen Gängen vorsehen. Der Mann plant doch tatsächlich, mich in einem unbemerkten Augenblick abzustechen. Irgendetwas muß mit mir passiert sein, denn fern davon, mir ins Hemd zu machen wie das früher der Fall gewesen wäre und jemanden wie Wynter um Hilfe zu bitten werde ich…leicht ungehalten und beschließe, dieses Problem selbst in die Hand zu nehmen. Alenis ist mir dabei eine große Hilfe.
PO Clifford mäkelte an ihren Agoniekammern herum und sie wies ihn schnippisch darauf hin, den Chefstrategen doch mit seinen Vorstellungen zu belästigen. Clifford hielt es daraufhin für eine gute Idee, eigenständig und ohne ihre Zustimmung an einer Agoniekammer herumzubasteln und deren Effizienz um 25 % zu steigern. Alenis aka Dr. Vargas ist nicht erfreut. Alenis ist ohnehin prinzipiell nicht erfreut. Sie mußte Linnert, der sich in Erfüllung seiner Rolle ein paar Fehltritte geleistet hat in die Agoniekammer stecken und auch wenn Linnert die Prozedur äußerlich unbeschadet überstanden hat hat es ihr einiges abverlangt kühl daneben zu stehen und die Regler zu betätigen.
Diese Agoniekammern sind eine Perversion in sich.

 

Ich zitiere Clifford zu mir und übergebe ihn Dr. Vargas, die ihn abkanzelt und ihm als Dank für seine Mühen das Privileg gewährt, seine eigene Modifikation am eigenen Leib zu testen. Nachdem Dr. Sanders vorher noch eine kleine Betäubungsgaskapsel eingeschleust hat, die Clifford nach 30 Sekunden narkotisieren wird, stecken wir ihn vor den Augen des äußerst zufriedenen Chefstrategen in die Kammer. Effizienz kann eine bösartige Sache werden und so ist es wohl kaum unsere Schuld, wenn Clifford schon bei lumpigen 7 % zu schreien beginnt und nach kaum einer halben Minute zusammenbricht. Das Ganze wird gewürzt mit ein paar ätzenden Kommentaren von PO Alenis und mir. Amateure sollen eben nicht ungefragt an Dingen herumspielen, von denen sie keine Ahnung haben. Insbesondere wenn ihre Berechnungen falsch sind und die Effizienz so gesteigert wird, daß eine nahe Ohnmacht jeglichen Bestrafungszweck zunichtemacht. Der Chefstratege ist überaus angetan und Sanders, Alenis und ich können uns tatsächlich noch in die Augen sehen. Das Problem Clifford ist zumindest vorläufig Geschichte, denn wir können ihn in die Krankenstation schaffen und so lange unter Betäubung halten, wie uns das nötig erscheint.

 

Als Clifford da so liegt und ich an seine Arbeit denken muß kommt mir der Gedanke, daß ein so fanatischer kleiner Eugeniker seine Arbeit vielleicht nicht nur theoretisch formuliert hat. Ob er der Versuchung widerstehen konnte, an sich selbst herum zu pfuschen? Ich bitte die Medizin, einen DNA Test vorzunehmen und….Volltreffer! Der Mann wollte sich selbst zum Vorreiter einer neuen Herrenrasse machen. Verbesserte Körperkraft, gesteigerte mentales Durchhaltevermögen, DNA Bausteine von Klingonen und Vulkaniern…
Eine wertvolle Erkenntnis, die uns später noch nützen mag. Statt gleich zur Imperatorin zu rennen heben wir diese Information auf. Irgendwann mag der Moment kommen, da jemand mit dem Finger auf einen von uns zeigt. Und dann ist es immer gut etwas in der Hand zu haben, mit dem man auf jemand anderen zeigen kann.

 

Allmählich geraten die Dinge ins Rollen. Unsere Crewmitglieder machen ihre Sache außerordentlich gut. Niemand fällt aus seiner Rolle. Linnert muß mehrfach in die Agoniekammern, McTavish büßt beinahe eine Hand ein, weil die Imperatorin auf seine Konsole schießt. Ein Piepton hat Ihre Majestät gestört und Mc Tavish konnte ihn nicht schnell genug abschalten. Linnert schießt die Imperatorin bei der Gelegenheit auch gleich nieder – weil sie es kann. Die Medizin kann beide retten.

 

Jeder arbeitet daran dafür zu sorgen, daß er selbst auf die Valdore darf, teils als Belohnung für gute Dienste, teils weil er ohnehin mit eingeteilt wäre. Die Valdore wird später erwartet, geplant ist, daß die Imperatorin mit der Gettysburgh und ein passender Commander mit der Valdore und noch ein paar Flottenschiffen zu den enttarnten Allianzstationen fliegen und sie vernichten. Mithilfe unseres Kampfstoffes. Halbswegs enthusiastisch kann ich der Imperatorin versichern, daß wir fertig sind und erbitte mir, mitsamt dem medizinischen Team und meinem Stab dabei sein zu dürfen, wenn der Kampfstoff eingesetzt wird. Es wäre von größtem Interesse für zukünftige Entwicklungen, wenn wir den Todeskampf wissenschaftlich dokumentieren könnten. Ihre Majestät ist zufrieden und gewährt mir den Wunsch. Was dazu führt, daß Politoffizierin Strakovich mir persönlich zu dieser Leistung und meiner Teilnahme an der Offensive beglückwünscht. Als ich daraufhin scheißfreundlich erwidere, daß manche sich dieses Privileg eben erarbeiten frieren ihr die Gesichtszüge ein. Äh…ja. War vielleicht keine so gute Idee ihr das zu sagen…andererseits schaut sie mich daraufhin fast mit so etwas wie Respekt an. Ich wurde eventuell gerade neu eingeschätzt und für ernstzunehmen befunden. War vielleicht nicht so gut…
Das war die zweite persönliche Audienz bei der Imperatorin – ich gestehe, ich habe keinen Wunsch nach einer Dritten.

 

Ein romulanischer Botschafter ist plötzlich an Bord. Über die verschlüsselten Nachrichten sickert schnell durch, daß er auf unserer Seite ist – offenbar weiß er wer wir sind, vermutlich von Commander Funk, und hat sich Reynolds schnell anvertraut. Er muß für unsere Sache noch gewonnen werden, denn die Romulaner dieser Seite sind zwar militärisch gut aufgestellt, aber strikt defensiv und eher friedfertig gesinnt. Sie mischen sich nicht gerne ein und versuchen aus der Schußlinie zu bleiben.

 

A propos Schußlinie – wir müssen extrem aufpassen. Die Konsolen werden überwacht, ständig laufen Sicherheitsroutinen, die überprüfen, wer woran arbeitet und welche Zugriffe erbittet. Da ist immer noch diese ständige Gefühl, ein Messer im Nacken zu haben.

 

Der Romulaner kommt in die Wissenschaft und wir führen ein längeres Gespräch. Es ist interessant…er scheint für die Allianz nach einer Möglichkeit zu suchen, die verschiedenen Völker zu einen und möchte wissen, wie unsere Föderation das geschafft hat. Es ist schwierig, ihm genaue Informationen zu geben, ich fürchte damit gegen die Direktiven zu verstoßen aber ich kann ihm zumindest ein paar grundsätzliche Wahrheiten nennen:
Frieden ist keine Selbstverständlichkeit.
Er muß hart erkämpft werden und immer wieder aufs Neue verteidigt werden, unermüdlich und ohne daß wir dabei unsere Ideale verraten.
Nur dann ist ein dauerhaftes friedliches Miteinander möglich. Mit gegenseitigem Respekt für uns und vor den Eigenarten anderer.
Man kann sich an Modellen orientieren aber solch ein Frieden und solch ein Miteinander muß sich entwickeln, es muß wachsen, tief wurzeln und sich innerhalb der existierenden Parameter zu voller Größe entwickeln dürfen. Wenn man Mitgefühl, Respekt und den Willen zum Frieden als oberste Meßlatte anlegt und niemals von diesen Prinzipien abweicht, dann wird das Ergebnis niemals falsch sein. Und es wird keine schlecht passende Kopie, sondern ein maßgefertigter Anzug sein. Dieses Gewissen muß über Generationen weitergegeben werden, es muß zu einem Grundpfeiler der Gesellschaft werden, zu einer Selbstverständlichkeit, die nicht hinterfragt wird.
Der Prozeß muß dauern, ein Kind muß wachsen, seine Erfahrungen machen aber das Lernen ist nur von Dauer, wenn man die Erkenntnisse selbst gewinnt. Damit man auch mit den damit verbundenen Rückschlägen weiß, was man zu verlieren hat, damit der Schmerz über den Verlust einen neu antreibt, es immer wieder zu wagen und niemals aufzugeben. Damit man sich nicht der Illusion hingibt, die Arbeit wäre irgendwann vorbei. Damit man weiß, daß der Frieden gepflegt werden muß wie ein Garten…

 

Gerade weiß ich nicht, wem ich diese Rede eigentlich halte, mir selbst oder ihm. Aber in dem Moment überkommt mich die Erkenntnis, daß ich richtig liege und die Wärme und Ruhe die mich selbst überkommen fühlen sich an wie eine schützende Decke von der ich bis gerade eben nicht wußte, daß ich sie hatte.

 

Der Romulaner scheint beeindruckt. Aber er fragt mich, wie ich diese Ansichten mit der Entwicklung dieses tödlichen Kampfstoffes vereinbaren kann. Woraufhin ich ihm mit vollkommener Ruhe – obwohl gerade einer der Imperialisten eintritt - versichern kann, daß dieser Kampfstoff zu hundert Prozent genau auf die von uns gewünschte Weise funktionieren wird und er sich absolut keine Sorgen zu machen braucht.
Der Mann versteht.
Und ich bin gerade der Überzeugung, daß unsere eigenen Prinzipien uns helfen werden, das hier auch weiterhin durchzustehen. Daß uns mit diesem Wissen nichts zustoßen kann.

 

Äh…ja. Ich und meine große Klappe. Als wir vor die Imperatorin gerufen werden, damit diese uns auf die Stunden des Triumphes einschwört, der unmittelbar vor uns liegt, wenn wir die letzten Allianznester zerschlagen kommt ein grün und blau geprügelter und am Rande des Nervenzusammenbruchs stehender Chief Benz hereingestürmt, fällt vor der Imperatorin auf die Knie und faselt etwas davon, daß Funk ein Verräter sei und wir nicht diejenigen die wir vorgeben zu sein. Verdammt, der Mann muß Gallagher ausgebüxt sein, wie unerfreulich…In der folgenden drückenden Stille scheint die Zeit still zu stehen. Dann explodiert die Imperatorin und wir müssen dringend etwas tun. Zeit, den aufbewahrten Joker auszuspielen.
Sofort.
Nach kurzer Absprache mit Alenis und ein paar raschen Angleichungen, die sie auf einem Pad vornimmt ziehe ich mir zeitgleich den Chefstrategen heraus und berichte ihm sorgenvoll von einer Entdeckung, die mit dem Auftauchen von Chief Benz in Zusammenhang stehen könnte. Wir zeigen ihm die genetischen Modifikationen, die Clifford an sich hat vornehmen lassen und man sehe und staune – da wurden doch tatsächlich an Chief Benz ähnliche Modifizierungen vorgenommen. Die beiden arbeiten zusammen. Heimlich. Unter Umgehung sämtlicher Aufzeichnungspflicht. Ohne Wissen der Imperatorin haben sie sich selbst zu Übermenschen gemacht. Das ist Verrat. Garantiert von der Allianz ausgehend. Ihre Majestät muß umgehend davon erfahren.

 

Danach geht alles sehr schnell. Der Chefstratege beruhigt die tobende Imperatorin, Alenis und ich erklären unsere brisante Entdeckung und daraufhin konzentriert sich Javerts Zorn auf den bedauernswerten Chief Benz, der unter den Beschuldigungen seiner geliebten Imperatorin sichtlich zusammenbricht und die Welt nicht mehr versteht. Die Imperatorin zeigt wenig Gnade und rammt ihrem einstigen Liebling das Schwert durch die Brust. Aber die Aufmerksamkeit ist weg von uns. Wenn einer mit dem Finger auf Dich zeigt…

 

Während die Blutlache um Chief Benz immer größer wird, schwört uns die Imperatorin erneut auf den bevorstehenden Triumph ein, ungeachtet aller pathetischer Sabotageversuche von Seiten der Allianz. Keiner macht Anstalten, Chief Benz all zu hektisch zu Hilfe zu kommen aber im Anschluß gelingt es Dr. Sanders und PO Alenis doch noch, sein Leben zu retten. Wie es für ihn weitergeht wenn wir erst einmal weg sind ist dann nicht mehr unser Problem.

 

Ich für meinen Teil bin nur froh, daß es in der Hektik des Aufbruchs niemandem einfällt, mich herzuzitieren und mich zu fragen, wie MEIN Untergebener vor meiner Nase so an sich herumexperimentieren konnte. Ich hätte es auf den abwesenden Canterville schieben müssen. Aber Ärger wäre mir sicher gewesen. Vielleicht auch ein Viertelstündchen in der Agoniekammer. Danke, verzichte!

 

Und dann ist es so weit. Reynolds und ich bekommen quasi die Zusage des Romulaners, daß wir in dem bevorstehenden Teil unserer Mission nicht ganz so allein dastehen werden, wie wir das vielleicht glauben. So wie es aussieht wird sein Schiff uns zur Hilfe kommen, wenn wir uns mit der Valdore absetzen müssen.

 

Als Vorbereitung für die Meuterei auf der Valdore, bei der nun doch XO Reynolds das Kommando bekommt und sich den Großteil seiner Mannschaft selbst zusammensuchen darf hat Dr. Sanders noch Betäubungsgas hergestellt und in die Blutplasmaflaschen der medizinischen Ausrüstung geschmuggelt. An unsere Crew wurden Pillen mit Gegenmittel ausgegeben. Zu gegebenem Zeitpunkt wird das Gas die anderen Imperialen umlegen, so daß unsere Leute das Schiff in aller Ruhe übernehmen können.
Die Torpedos mit dem angeblichen tödlichen Kampfstoff landen auf der Gettysburgh, von wo aus die Imperatorin sie persönlich auf die Station der Allianz abfeuern will.

 

Das Unangenehme ist nur, daß wir jetzt zwar alle auf die Valdore gehen und daß wir bestimmt vorhaben, das Schiff zu übernehmen, aber es gibt keinen konkreten Plan und vor allem kein detailliertes Briefing. Ich habe nicht die geringste Ahnung was passieren wird. Und auch wenn die Columbiacrew verdammt gut im Improvisieren ist, ich HASSE es in dieser Situation!

 

Die gesammelte Mannschaft begibt sich auf die Valdore. Als es allerdings darum geht, wer auf die Brücke geht und wer in den Maschinenraum, sehe ich, daß Kassabyan alleine mit vier Imperialen ist. Mist – unmöglich in der kurzen Zeit und in dieser Situation noch darauf zu bestehen, daß ein paar von der Security mitgehen aber auf mich und van Ameling scheint niemand zu achten. Also begleiten wir den Trupp in den Maschinenraum. Aus wissenschaftlicher Sicht völlig unlogisch aber immerhin bin ich Lieutenant und so stellt keiner dumme Fragen.
Trotzdem wird mir ziemlich mulmig und so ist das erste, was ich tue, mit Hilfe der Verschlüsselungscodes unsere Leute zu kontaktieren und dringend um Hilfe zu bitten, wenn die Dinge ins Rollen kommen. Der Maschinenraum ist strategisch verflucht wichtig. Da ich nicht weiß, ob die Nachricht rechtzeitig ankommt ist es eine ziemliche Überraschung als Kassabyan plötzlich weggebeamt wird, angeblich um schnell auf der Brücke noch etwas zu richten.
Van Ameling und ich sind allein mit vier schwerbewaffneten Imperialen. Toll! Mir rutscht das Herz in die Hose und ich habe keine Ahnung, was gerade passiert.

 

Also kontaktiere ich Wynter über den Commkanal und bitte ihn, mir von der Brücke eine Datei auf mein Pad zu überspielen, weil ich hier auf meinem Pad gerade eine Fehlfunktion festgestellt habe. Außerdem gebe ich ihm den nachdrücklichen Hinweis sein verdammtes Pad ja auch zu kontrolliere, Fehlfunktionen können wir uns gerade nicht leisten. Ich gebe zu, daß ich innerlich ein bißchen panisch bin.

 

Und dann tauchen zu meiner Erleichterung unsere Leute auf, um angeblich nach dem Rechten zu sehen. Und noch bevor ich meinen Phaser herausgekramt habe liegen schon alle Gegner betäubt am Boden. Das…ging verflucht schnell. Beeindruckend. Ich bin unfaßbar erleichtert, daß unsere Leute da sind. Wynter und Cane bei sich zu haben ist in solchen Momenten immens beruhigend.
Auf der Brücke hat der Gaseinsatz hervorragend funktioniert.
Die Imperatorin wird schäumen und der Begriff Vulkanausbruch wird vermutlich nicht ausreichen, um ihren Gemütszustand zu beschreiben.

 

Dann geht die Welt unter. Gefühlt. Als sich meine Augen von dem grellen Blitz erholt haben, meine Ohren aufgehört haben zu summen und mein Gleichgewichtssinn sich allmählich wieder erholt müssen wir feststellen, daß Mc Cullens anwesender Konterpart offenbar eine Blendgranate oder etwas ähnliches dabeihatte und im Moment seiner Betäubung den Finger auf dem Zünder mit Retardwirkung gehabt haben muß. Oder hatten wir mehr Glück als Verstand und es handelte sich um einen größeren Sprengsatz der einfach nur defekt war? Wäre nicht das erste Mal, daß uns terranisch imperiale Technik an diesem Tag beinahe um die Ohren geflogen wäre…Keine Ahnung. Mein Sichtfeld ist eingetrübt und mir klingeln die Ohren. Schwarze Flecken kommen vom Rande meines Gesichtsfeldes herangekrochen. Sprengsätze in der Nähe eines Warpkerns sind immer etwas wirklich sehr Dummes.
Und dann tauchen weitere imperiale Gegner auf und nur ein von Kassabyan augenblicklich errichtetes Kraftfeld um den Maschinenraum rettet uns vor deren Phasern…knapp. Sehr knapp. Aber jetzt haben wir die Kontrolle über den Maschinenraum und die Brücke. Der Maschinenraum wird versiegelt, alle Kontrollen auf die Brücke umgeleitet und wir dann auf die Brücke gebeamt.
Die Imperatorin muß wirklich toben. Eine schöne Vorstellung. Keine Ahnung, ob da draußen jetzt noch eine Schlacht zwischen Romulanern und der Gettysburgh stattfindet, mir brummt immer noch der Schädel aber der romulanische Botschafter deckt unseren Rückzug und wir machen uns gepflegt mit der erbeuteten Valdore aus dem Staub und springen zurück in unser Universum.

 

Jetzt ist es spät. Wir sind zurück auf der Station Omega. Die verhaßten martialischen Outfits und Abzeichen sind umgehend in die Recyclinganlage gewandert.
Offenbar hat der romulanische Botschafter der anderen Seite noch die Gelegenheit genutzt, uns ein Lob mitzusenden. Sämtliches gesammeltes Material geht in einem großen Paket an den Captain. Der wiederum ist mit der Columbia während all dieser Zeit nach Romulus geflogen um dort zu verhandeln.
Wir haben alles dokumentiert was nicht bei drei auf den Bäumen war. Doch das schlagfertigste Argument für die umgehende Freilassung von Javert und Funk ist sicherlich das romulanische Prototypkriegsschiff, das wir in gutem Zustand zurückgeben können.

 

Eine Kleinigkeit haben wir unter den Tisch fallen lassen...noch während unseres Rückfluges meldete sich besagter Botschafter bei uns und bat uns darum, daß seine Leute die Valdore in Augenschein nehmen dürften. Natürlich möchten sie die Daten haben. Nachdem ja auch die Imperatorin alle Daten hat wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis ihr wieder ein solches Schiff zur Verfügung steht. Die Romulaner wären gern gleichwertig vorbereitet.
Ist das nun unerlaubte Einmischung? Oder nur das Wiederherstellen eines Gleichgewichts? Ein bißchen Entgegenkommen für die Allianz im Kampf gegen Unterdrückung und Tyrannei?
Keine ganz leichte Entscheidung. Reynolds hört sich ein paar Pro und Kontras an und trifft seine Entscheidung. Die Romulaner dürfen besichtigen und ihre Daten sammeln. Ich kann nicht behaupten, daß ich das für falsch halte.

 

Die Identifikationschips sind weg. Die chirurgischen Veränderungen rückgängig gemacht. Alles fühlt sich wieder richtig an. Natürlich kommen wir um ein paar Dinge nicht herum. Zum Beispiel angeordnete Besuche bei einem Counselor. Dr. Sanders beantragt zusätzlich zwei bis drei Wochen Urlaub für die Crew. Merkwürdig...das ist das erste Mal seit langem, daß ich nicht das Gefühl habe einen Counselor zu brauchen. Es geht mir verdammt gut. Die Direktiven und Richtlinien haben mich unter miesesten Umständen unterstützt und mir geholfen in der Spur zu bleiben. Ich habe nichts getan, was ich bereuen müßte. Mir geht es blendend. Ich bin daheim und bereit für Neues. Auch für eine Karriere, denke ich...

 

Andere haben die Erlebnisse weniger gut weggesteckt. Kadettin Nabaar hat eisern die Nerven behalten, aber jetzt, da wir wieder zu Hause sind ist es mit ihrer Selbstbeherrschung vorbei. Sie hat ständig unter dem Adlerblick von Strakovich gestanden und muß darunter schwer gelitten haben. Also nehme ich sie beiseite um mich bei ihr dafür zu bedanken, daß sie die Aufmerksamkeit der Offizierin so von uns anderen abgelenkt hat. Dafür, daß es mir gut geht, weil sie die Offizierin beschäftigt hat. Dafür daß sie ihren Teil erledigt hat, damit auch wir funktionieren konnten. Ich vergesse leicht, wie…unerfahren Kadettin Nabar ist. Sie ist kompetent und fähig, eine hervorragende Analytikerin aber nichts kann einen wirklich auf solche Missionen vorbereiten. Mit einem Mal wird mir wieder bewußt, daß ich mich allmählich zu den alten Hasen zählen darf…ein merkwürdiger Gedanke.

 

Joop van Ameling macht mir etwas Sorgen, als er unter Tränen ein imperiales Mannschaftsabzeichen in den Fingern dreht. Eigentlich rate ich ihm, das Ding in den Müll zu werfen aber er meint nur, das sei das einzige Andenken, das er von IHR habe. Wovon spricht der Kerl, zum Teufel? Nach und nach kommt ans Tageslicht, daß…meine Güte…eine Allianzanhängerin aus dem Stab von Commander Funk sich an ihn herangeschmissen hat um ihn dazu zu bringen, ihr irgendwelche Technikdaten zu geben. Was er glücklicherweise nicht getan hat aber der…Trott…Nein, stopp. Ich bin die Letzte, die jemanden wegen irgendwelcher Gefühlsverwirrungen kritisieren sollte…also, so wie es aussieht hat sich Joop in die …Dame…Hals über Kopf verliebt.
Ich bin beeindruckt. Das ist noch verfahrener als alles, was ich mir jemals geleistet habe. Vor allem noch aussichtsloser. Keine Ahnung, wie er da jemals wieder herauskommen will aber er wird es müssen.

 

Als dann noch eine Nachricht von Javert und Funk eintrudelt, die sich bedanken und uns versichern, daß sie wohlauf sind und bald nach Hause kommen ist die Welt wieder vollends im Lot. Und so steht einem kameradschaftlichen Abend in der Bar der Station Omega nichts im Wege.
Morgen werden wir Urlaubspläne machen. Ich möchte mit Lucille auf die Erde. Ein Tauchausflug steht aus. Und das Jura.
Daniel hat bei der Erwähnung des Great Barrier Reef leuchtende Augen bekommen und Interesse bekundet. Wir werden sehen.
Ich habe mit Lucille einiges zu besprechen ehe ich Captain Gallagher meinen Vorschlag unterbreite. Aber heute wird gefeiert und die Nacht ist noch jung.