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Columbia Mission 37
Sternzeit 09.03./11.03.2018

A woman´s revenge

Persönliches Tagebuch

 

Joop A. van Ameling, Chief Petty Officer, Abteilung Wissenschaft

 

So, erledigt. Wir sind zurück, Mission erfolgreich abgeschlossen, alle sind wohlauf, die romulanische Horror-Schüssel ist wieder da, wo sie hingehört. (Ok, wieso der saubere „Commodore“ auf die Idee kam, daß wir diesem hochnäsigen Volk mit den spitzen Ohren sein Schiff wiederbeschaffen müssen, muß er mir nochmal erklären. Aber objektiv hat die Föderation natürlich ein Interesse daran, daß die irre Imperatöse nicht in die Verlegenheit kommt, mit einer romulanischen Wunderwaffe auch noch unser Universum erobern zu wollen.) Die ganze Crew ist happy und feiert. Die ganze Crew? Nein. Ein von einem unbeugsamen Holländer bewohntes Quartier…


Scherz beiseite. Mir geht’s beschissen. Wegen Torah. Torah McLaine, die Strategin von Commodore Gallagher. Aus dem Alternativen Universum. Ja, genau. Nicht aus einer anderen Stadt, einem anderen Land, von einem anderen Planeten oder von einem anderen Schiff der Starfleet. Oder eine Klingonin oder Romulanerin. Nein, es mußte schon ein anderes Universum sein, darunter macht’s der Herr Professor nicht. Fernbeziehungen haben ja auch ihre Vorteile.
Immerhin ist sie eine von den „relativ“ Guten…
„I’m sad to say, I’m on my way
Won’t be back for many a day,
My heart is down, my head is turning around,
I had to leave a little girl in Kingstontown”,
sang Harry Belafonte im 20. Jahrhundert…
Scheiße.


Wie kann man sich in so eine knallharte, eiskalte Ausgeburt dieser brutalen Parallelwelt verlieben, würden sich die meisten jetzt fragen. Ich weiß es selbst nicht. Beziehungsweise… Doch, ich weiß es.
Am Anfang wollte ich einfach nur höflich und freundlich sein, wie sich das – bei uns – gehört, und dann wollte ich sie mit ihrer demonstrativ toughen Art ein bißchen auf die Schippe nehmen. Daß da was zurückkam, hat mich durchaus überrascht – angenehm überrascht. Da (oder unbewußt sogar schon vorher? Eine gewisse Sympathie war von Anfang an da) habe ich gespürt, daß unter dieser harten Schale noch etwas anderes schlummert. Und deshalb habe ich weiter mitgezogen.
Daß wir tatsächlich im Bett landen würden, hätte ich nicht gedacht. Zunächst sind wir wild und leidenschaftlich übereinander hergefallen – und haben einander hinterher angegrinst wie zwei Lausbuben, denen ein Streich gelungen ist. Als es danach zärtlich und innig wurde, war das so offenbar erst einmal neu für sie. Und ich merkte, wie sehr sie insgeheim und wahrscheinlich unbewußt nach Nähe und Zärtlichkeit lechzte. So viel gibt es in ihrer schönen Welt wohl nicht davon.
Der wahrscheinlich entscheidende Moment war für mich am nächsten Morgen, als es Tag wurde und wir aufstehen und auseinandergehen mußten. Da hat sie sich einen kurzen Moment ganz dicht an mich geschmiegt und an mich geklammert, als wollte sie mich festhalten. Kann man so etwas vorspielen?
Bestimmt.


Aber es war einfach schön mit ihr.
Nun, ich habe sie nicht wiedergesehen. Ich werde sie auch nie wiedersehen. Als wir losflogen, ging ich irgendwie davon aus, daß wir vor der Rückkehr in unser Universum noch mal beim Commodore vorbeischauen oder uns zumindest nochmal melden würden. Aber das wäre natürlich dumm gewesen. Nur einen Abschiedsgruß konnte ich ihr über die dortigen (übrigens sehr angenehmen) Romulaner noch zukommen lassen.


Ich ärgere mich, daß ich nach unserer Rückkehr meinen Kummer nicht besser verborgen habe. Saß wie ein Schuljunge mit Tränen in den Augen in der Messe. Na toll. Warum habe ich mich nicht einfach in meinem Quartier verkrochen? Ich habe den anderen zu sehr vertraut.
Prompt habe ich nämlich mit einem halben Ohr beim Weghören die Theorie mitbekommen, Torah habe mich verführt, um an irgendwelche Informationen zu kommen. Ich möchte wissen, wie die lieben Kollegen darauf kommen. Gefragt hat sie mich jedenfalls nichts. Natürlich, daß der großherzige Gallagher uns übers Ohr hauen und sich den romulanischen Kreuzer unter den Nagel reißen wollte, daß wir alle nur Bauern auf dem Schachbrett der Macht für ihn waren und er uns ebenso skrupellos geopfert hätte wie unsere Pendants aus der Parallelwelt, das war uns allen klar, auch mir, und zwar von Anfang an. (Und übrigens auch, daß der charismatische Commodore mit der romulanischen Wundertüte in der Hand binnen überschaubarer Frist zu einem ebenso durchgeknallten Diktator geworden wäre wie die lustige Lucille.) Aber was hätte ich da für einen Einfluß nehmen sollen?? Gesagt hat sie auch in dieser Richtung nichts. Ich bin jetzt mal so naiv und eitel, ihr „Komm zurück!“ auf mich selbst zu beziehen, und nicht bloß auf das Schiff, in dem ich sitzen sollte.


Übrigens habe ich den Anfang gemacht.
Es würde mich nicht wundern, wenn ich auch noch einen Termin bei der Sicherheit gewonnen hätte. „Hoffentlich hat er nichts gesagt“, meine ich gehört zu haben.
Manchmal frage ich mich, was die Leute denken, wie ich zu meinem Doktortitel, zu meiner Professur und zu meinem Dienstgrad gekommen bin. Und Sicherheitsbelehrungen habe ich nun wirklich auch genug absolviert.
Zugegeben, was sie gesagt hat, als der Romulaner ihr meinen Abschiedsgruß übermittelt hat, kann ich mir ungefähr vorstellen: Von sinnloser Zeitverschwendung wird sie was gebruddelt haben, von überflüssiger Gefühlsduselei. Vielleicht hat auch sie gesagt, sie sei bloß mit mir ins Bett gegangen, weil sie sich davon irgendeinen Vorteil versprochen hat.
Da gibt es aus meiner Sicht jetzt drei Möglichkeiten:
Entweder, sie hat das bloß gesagt, um nicht vor dem Romulaner und ihren Kumpanen als „schwach“ dazustehen.
Oder sie redet es sich ein, um nicht vor sich selbst als schwach dazustehen.

Oder es ist die Wahrheit.